Das Problem ist nicht mangelnde Schreibkompetenz. Das Problem ist Nähe. Wer jeden Tag in seinem Angebot lebt, kann oft nicht mehr sehen, was ein Außenstehender sieht — oder eben nicht sieht. Website-Texte selber schreiben klingt einfach, ist aber eine der schwersten Übungen der Selbstständigkeit.

Wann du deine Website-Texte selbst schreiben kannst

Es gibt Situationen, in denen Selbst-Schreiben absolut sinnvoll ist — und manchmal sogar besser als externe Hilfe.

Du hast eine klare Positionierung. Wenn du in einem Satz sagen kannst, was du für wen löst, hast du die wichtigste Vorarbeit bereits geleistet. Dann geht es beim Schreiben nur noch darum, das auszuformulieren — keine Strategie mehr, nur noch Handwerk.

Du kennst deine Zielgruppe sehr gut. Wenn du deren Sprache sprichst, ihre Probleme kennst und weißt, was sie nachts wachhält — dann kannst du Texte schreiben, die treffen. Das ist ein echter Vorteil gegenüber externen Textern, die sich erst einarbeiten müssen.

Dein Angebot ist unkompliziert. Eine einfache Leistung für eine klar definierte Gruppe — da braucht es keinen Texter. Drei klare Absätze, die erklären was, für wen und wie. Das schaffst du selbst.

Du bist bereit, mehrere Entwürfe zu schreiben. Der erste Text ist immer ein Rohentwurf. Wer bereit ist, fünfmal neu anzusetzen und jeden Satz kritisch zu hinterfragen, kommt oft zu einem brauchbaren Ergebnis.

Wann du dir Hilfe holen solltest

Ehrlich gesagt: in den meisten Fällen. Nicht weil du es nicht könntest — sondern weil du zu nah dran bist.

Du weißt nicht genau, was dich von anderen unterscheidet. Wenn du auf die Frage „Warum sollte jemand dich beauftragen und nicht jemand anderen?" keine klare Antwort hast, wird der Text das spiegeln. Ein externer Blick hilft, das herauszuarbeiten.

Du schreibst seit Monaten — und es fühlt sich nie fertig an. Perfektionismus ist ein Zeichen, dass du das Problem selbst nicht lösen kannst. Nicht weil du schlecht bist — sondern weil du zu nah dran bist, um objektiv zu sehen, wann es gut genug ist.

Du beschreibst deine Leistungen, nicht die Ergebnisse für deine Kunden. Das ist der häufigste Fehler überhaupt. „Ich erstelle Logos" statt „Du bekommst eine visuelle Identität, bei der Kunden sofort verstehen, wofür du stehst." Wer immer noch aus der Leistungs-Perspektive schreibt, braucht externe Hilfe beim Perspektivwechsel.

Deine Website bringt trotz Traffic keine Anfragen. Dann ist das Schreiben das Problem — und Selbst-Schreiben wird es nicht lösen.

Häufige Selbst-Schreib-Fehler

Zu viel über sich selbst. „Ich bin seit 15 Jahren leidenschaftlich in der Branche und liebe es, kreative Herausforderungen anzugehen." Das sagt dem Kunden nichts über das, was er bekommt. Fang nicht mit dir an — fang mit dem Problem des Kunden an.

Zu viel Fachsprache. Was intern selbstverständlich ist, kann für Außenstehende unverständlich sein. Wenn du Begriffe benutzt, die deine Kunden nicht kennen, entsteht Distanz statt Vertrauen.

Zu langer Einleitungssatz. Viele beginnen mit einem Schachtelsatz, der vier Dinge gleichzeitig sagt. Der Leser ist nach dem ersten Absatz schon weg. Kurze Sätze gewinnen.

Kein konkreter Call-to-Action. Der Text endet irgendwie — aber ohne klare Handlungsaufforderung. Was soll der Besucher jetzt tun? Wenn das nicht eindeutig ist, tut er nichts.

Texte für alle. Wenn dein Text jeden ansprechen will, spricht er niemanden wirklich an. Je konkreter deine Zielgruppe, desto besser dein Text.

Wenn du es trotzdem selbst machen willst: 5 Tipps

1. Fang mit der Überschrift an — nicht mit dem Text. Deine Hauptüberschrift ist der wichtigste Satz deiner Website. Sie muss sagen, was du anbietest, für wen und mit welchem Ergebnis. Schreib zehn Varianten und wähle die beste.

2. Schreib zuerst für einen einzigen Menschen. Stell dir vor, du schreibst für eine konkrete Person — deinen idealen Kunden. Wie würdest du ihr erklären, was du tust? Genau so schreib es auf.

3. Lies laut vor. Texte, die komisch klingen wenn man sie laut liest, klingen auch komisch wenn man sie liest. Laut vorlesen deckt Schachtelsätze, Füllwörter und unnatürliche Formulierungen sofort auf.

4. Lass 24 Stunden vergehen. Direkt nach dem Schreiben siehst du nicht mehr, was tatsächlich da steht — sondern was du meintest. Nach einer Pause liest du den Text mit frischeren Augen.

5. Frag jemanden aus deiner Zielgruppe. Nicht ob der Text gut ist — sondern: Was glaubst du, was ich anbiete? Für wen? Was würdest du als nächstes tun? Die Antworten zeigen, ob dein Text ankommt.

Fazit: Selbst schreiben ist möglich — aber nicht kostenlos

Website-Texte selber schreiben kostet Zeit, Nerven und mehrere Entwürfe. Wenn du die Energie dafür hast und die Voraussetzungen stimmen — mach es. Wenn du nach dem dritten Anlauf immer noch unsicher bist, ob der Text wirklich funktioniert, ist ein Gespräch mit jemandem, der das täglich macht, wahrscheinlich schneller als die nächste Selbst-Revision.