Versicherungen sind ein Thema, das viele Selbstständige entweder komplett ignorieren oder so übertrieben ernst nehmen, dass sie am Ende überversichert und unterbezahlt sind. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Dieser Artikel gibt dir einen klaren Überblick — was in Österreich verpflichtend ist, was wirklich schützt, und was du in der Anfangsphase weglassen kannst.
Pflichtversicherungen über die SVS
Wer in Österreich ein Gewerbe anmeldet, ist automatisch bei der Sozialversicherung der Selbstständigen (SVS) pflichtversichert. Das umfasst drei Bereiche: Krankenversicherung, Pensionsversicherung und Unfallversicherung.
Die Beiträge orientieren sich an deinem Gewinn — im ersten Jahr werden sie auf Basis eines vorläufigen Mindestbeitrags berechnet, später nachbemessen. Konkret zahlst du in den ersten Jahren Mindestbeiträge von rund 150–200 Euro pro Monat (abhängig von der Berufsgruppe), die sich bei höherem Einkommen entsprechend erhöhen.
Was viele nicht wissen: Die SVS-Krankenversicherung bietet im Vergleich zur Angestelltenversicherung weniger Leistungen. Kassenärzte sind dieselben, aber zum Beispiel bei Zahnbehandlungen oder alternativen Heilmethoden gibt es größere Lücken.
Wichtig: Die SVS-Beiträge laufen weiter, auch wenn du kaum Umsatz machst — gerade am Anfang. Das gehört zur Kalkulation deines Mindesthonorars dazu.
Empfohlene Zusatzversicherungen
Diese Versicherungen sind nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber für die meisten Selbstständigen sinnvoll:
Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)
Das ist die wichtigste Zusatzversicherung überhaupt — und gleichzeitig die, die am häufigsten aufgeschoben wird. Wenn du durch Krankheit oder Unfall nicht mehr arbeiten kannst, gibt es über die SVS eine Invaliditätspension — aber erst nach langer Wartezeit und mit strengen Kriterien. Wer keine BU hat, lebt auf Risiko.
Kosten: Je nach Alter, Beruf und Absicherungshöhe zwischen 80 und 250 Euro pro Monat. Je früher du abschließt, desto günstiger.
Berufshaftpflichtversicherung
Wer Beratungsleistungen, Texte, Designs oder digitale Produkte liefert, braucht eine Berufshaftpflicht. Wenn durch deine Arbeit ein finanzieller Schaden beim Kunden entsteht — zum Beispiel durch einen Fehler in einem Design oder einer falschen Beratung — bist du ohne diese Versicherung persönlich haftbar.
Kosten: Ab rund 200–500 Euro pro Jahr, abhängig von Branche und Umsatz. Günstig im Verhältnis zum Risiko.
Private Krankenzusatzversicherung
Ergänzt die SVS-Grundversicherung um Wahlarzt, Zahnbehandlungen und bessere Spitalsleistungen. Nicht zwingend, aber wer gewohnt ist, flexibel Arzttermine zu bekommen, merkt den Unterschied schnell.
Kosten: 50–150 Euro pro Monat, stark alters- und leistungsabhängig.
Was viele vergessen
Neben den üblichen Versicherungen gibt es zwei Absicherungen, die Selbstständige häufig übersehen:
Tagegeldversicherung
Bei Angestellten läuft die Lohnfortzahlung bei Krankheit automatisch. Bei Selbstständigen: kein Umsatz, kein Einkommen. Eine Tagegeldversicherung zahlt ab dem vereinbarten Wartetag einen festen Betrag, wenn du krankheitsbedingt ausfällst. Besonders wichtig, wenn du keine nennenswerten Rücklagen hast.
Rechtsschutzversicherung für Selbstständige
Streitigkeiten mit Kunden, nicht bezahlte Rechnungen, Vertragskonflikt — das kommt häufiger vor als gedacht. Eine Rechtsschutzversicherung deckt Anwalts- und Gerichtskosten, die sonst schnell fünfstellig werden können. Kosten: Ab ca. 30–50 Euro pro Monat für einfachen Schutz.
Kosten-Überblick
Damit du eine realistische Vorstellung bekommst, was Absicherung in der Praxis kostet:
- SVS-Pflichtbeiträge: ~150–200 € / Monat (Mindestbeiträge, steigen mit dem Einkommen)
- Berufsunfähigkeitsversicherung: 80–250 € / Monat
- Berufshaftpflicht: 200–500 € / Jahr (~17–42 € / Monat)
- Krankenzusatz: 50–150 € / Monat
- Tagegeld: 20–60 € / Monat
- Rechtsschutz: 30–50 € / Monat
Vollständig abgesichert kostet das im Monat leicht 400–700 Euro. Das klingt viel — ist es aber nicht, wenn du es in Relation zu deinem Honorar setzt. Wer 60 Euro die Stunde verdient, hat diese Kosten in rund einem Arbeitstag drin.
Was du in der Anfangsphase priorisieren solltest: SVS (Pflicht), Berufshaftpflicht (günstiger Schutz gegen echte Risiken), BU (je früher, desto besser). Den Rest kannst du staffeln, wenn der Umsatz wächst.
Ein letzter Hinweis
Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Beratung. Versicherungsbedarf ist abhängig von Beruf, Einkommenssituation, Familie und persönlicher Risikobereitschaft. Ein unabhängiger Versicherungsmakler (nicht gebunden an eine Gesellschaft) kann dir helfen, ohne dich zu überversichern.
Was dieser Artikel aber tun kann: dir zeigen, wo du anfangen sollst — damit du nicht mit dem Gefühl losgehst, das Thema sei zu kompliziert, um es anzugehen.